Wie geht es weiter mit LEADER im Kraichgau?

Nachdem im November die letzten Fördergelder verteilt wurden, haben uns in den vergangenen Wochen viele gefragt, wie es mit LEADER im Kraichgau weiter geht. Daher wollen wir an dieser Stelle über den aktuellen Stand informieren. Die Entscheidung, ob der Kraichgau LEADER-Region bleibt, hängt von vielen Faktoren ab. Wie Sie vielleicht aus den Medien entnommen haben, trafen sich die Regierungschefs der Mitgliedsstaaten der EU im Februar, um über den Haushalt für die Jahre 2021 bis 2027 zu verhandeln. Die Gespräche wurden ergebnislos abgebrochen und werden weitergeführt, auch wenn derzeit in Brüssel andere Themen das Tagesgeschäft beherrschen. Mit diesem Haushalt wird über die LEADER-Mittel für die nächsten sieben Jahre entschieden. Daher wird bei den derzeitigen Verhandlungen der Regierungschefs die Grundlage gelegt, wieviel Geld die Regionen in Zukunft für LEADER bereitgestellt bekommen.

LEADER finanziert sich aus den Mitteln des Agrarhaushaltes.  Der Agrarhaushalt spaltet sich in zwei sogenannte Säulen auf. Die erste Säule sind die Direktzahlungen an die Landwirte. Die zweite Säule umfasst die Förderprogramme für die ländliche Entwicklung, darunter fällt LEADER. Wenn die Mitgliedsstaaten weniger Geld in die zweite Säule des Agrarhaushaltes geben (wonach es derzeit aussieht), gibt es insgesamt weniger Geld für die LEADER Regionen in ganz Europa. Die Landesregierung Baden-Württemberg möchte die einzelnen LEADER-Regionen mit ausreichend Geldern ausstatten, damit diese in den Regionen auch etwas bewegen können. Wenn es weniger Fördergelder gibt, wird es zukünftig nicht mehr 18 LEADER-Regionen im Land geben, sondern weniger. Daher müssen wir die Haushaltsverhandlungen abwarten, um abschätzen zu können, wie viele Förderregionen es ab 2021 geben wird. Angesichts der aktuellen Entwicklungen seit Februar und den damit verbundenen Herausforderungen für die Mitgliedsstaaten der EU wird sich der Abschluss weiter nach hinten verschieben. Sobald es irgendwann eine Einigung gibt, müssen noch die Abgeordneten des Europäischen Parlamentes zustimmen. Es dauert also noch einige Zeit, bis Planungssicherheit herrscht. Erst dann können in den Ländern und Bundesländern die Vorbereitungen für die Umsetzung von LEADER beginnen, somit auch die Auswahl der Förderregionen in Baden-Württemberg. Bereits jetzt ist abzusehen, dass es zeitliche Verzögerungen geben wird und ein Start im Januar 2021 nicht möglich ist. Die LEADER-Geschäftsstelle bleibt mindestens bis Ende 2022 in der Region erhalten, die Finanzierung ist auch dank der Städte und Gemeinden der LEADER-Kulisse gesichert. Antragsteller werden bis zur Abrechnung begleitet und Veranstaltungen sowie Arbeitsgruppentreffen können auch in den nächsten Jahren regelmäßig stattfinden. Zudem wird die hoffentlich erfolgreiche Neubewerbung als Förderregion begleitet, so dass es einen nahtlosen Übergang in die neue Förderperiode geben könnte.

In den Gemeinderäten in den Kraichgau-Kommunen wurden und werden derzeit die Entscheidungen gefällt, ob die jeweilige Kommune weiterhin Teil der LEADER-Kulisse sein möchte und sich am Bewerbungsprozess beteiligen will. Viele haben bereits entschieden und gemeinsam mit den Landkreisen des Kraichgaus stellen sie für die Vorbereitung und Ausarbeitung der Unterlagen Gelder zur Verfügung. Mit der Erstellung der Bewerbungsunterlagen beginnen wir ab dem nächsten Jahr. Das Ergebnis wird das neue regionale Entwicklungskonzept sein, das beim Ministerium für Ländlichen Raum in Stuttgart eingereicht wird.  

Das Land wird nur die besten Bewerbungen mit der Auszeichnung als LEADER-Region würdigen. Daher möchten wir mit möglichst vielen Kraichgauerinnen und Kraichgauern Ideen für Startprojekte und Entwicklungspotentiale in der Region ausarbeiten. Wir wollen gemeinsam mit Ihnen ein überzeugendes Konzept für die Verwendung der Fördergelder aufstellen. Damit wollen wir dem Land zeigen, dass die Gelder in unserer Region gut angelegt wären und wir gemeinsam noch viel bewegen möchten! Wir werden zunächst auf die letzten Jahre zurückblicken. Dazu nutzen wir in diesem Jahr verschiedene Treffen der Arbeitsgruppen und einen Workshop im Rahmen der Mitgliederversammlung, sofern Veranstaltungen dieser Art vertretbar und angemessen sind. Wir überlegen zudem Ersatzverfahren wie Onlinebeteiligungsprozesse anzuregen, wenn dies notwendig wird. Egal wie, machen Sie mit und bringen Sie sich ein!